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Hermann Sudermann


Berichte zum Deutschlandtreffen der Ostpreußen
Messe Berlin - 21. und 22. Mai 2005



Links zur weiteren Berichterstattung:


Deutschlandtreffen:
Der Bundesvorstand der LO informiert

Zahlreiche Besucher des Deutschlandtreffens haben die Frage aufgeworfen, warum die Landsmannschaft Ostpreußen (LO) beim diesjährigen Deutschlandtreffen nicht – wie bisher üblich – am Sonntag jeweils einen evangelischen und einen katholischen Gottesdienst organisiert hat. Dazu folgende Information: Aus Kostengründen war der Bundesvorstand gezwungen, nur die dringend erforderlichen Räume bei der Messe Berlin anzumieten. Der Gottesdienst sollte nicht entfallen. Die Verantwortlichen hatten für alle Besucher des Heimattreffens einen gemeinsamen ökumenischen Gottesdienst geplant. Diese Absicht scheiterte an der Weigerung des katholischen Bischofs von Berlin, Sterzinsky, – übrigens ein Ostpreuße –, den ökumenischen Gottesdienst zu genehmigen. Der Bundesvorstand der LO hat daraufhin während der Gottesdienstzeit die Durchführung einer „Geistlichen Stunde“ beschlossen. Der gute Besuch dieser Veranstaltung belegt, daß unsere Landsleute die Entscheidung des Bundesvorstandes akzeptiert hatten. Als Alternative gab es nur den Verzicht auf die geistliche Veranstaltung.

Eine Merkwürdigkeit ereignete sich an einem Tisch der Kreisgemeinschaft Heydekrug, exakt dort, wo der Chor aus Heydekrug saß. Plötzlich tauchte dort ein Kamerateam auf und plötzlich lagen auf diesem Tisch Schriften der NPD. Das Kamerateam filmte dieses Propagandamaterial, anschließend versuchte eine Dame, der offensichtlich die Leitung dieses Kamerateams oblag, die Landsleute aus Heydekrug zu dem NPD-Material zu befragen. Ein Gespräch kam nur bruchstückhaft zustande, da unsere Landsleute mit dem ausländischen Akzent der Dame Schwierigkeiten hatten. Glücklicherweise kam die Heydekruger Kreisvertreterin in diesem Moment an den Tisch. Sie machte dem Spuk schnell ein Ende, indem sie dem Kamerateam weitere Aufnahmen untersagte und das NPD-Material dem Müll zuführte.

In diesem Zusammenhang ist für den Bundesvorstand von Interesse, ob auch an anderen Stellen sich derartiges ereignet hat. Die LO hatte für das Deutschlandtreffen vier deutschen Fernsehanstalten sowie zwei polnischen TV-Teams die Akkreditierung erteilt. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, daß hier mit subversiven Maßnahmen versucht wurde, die Landsmannschaft Ostpreußen in Mißkredit zu bringen. - Wilhelm v. Gottberg

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung  Ausgabe 22/05 vom 04.06.2005


Erbe als Verpflichtung
Rückblick auf das Deutschlandtreffen der Ostpreußen
in Berlin vom 21. und 22. Mai 2005

Als großen Erfolg konnten die Veranstalter das Deutschlandtreffen der Ostpreußen vom 21. und 22. Mai in der Berliner Messe verbuchen: An den beiden Tagen kamen schätzungsweise 40.000 Menschen, darunter auffällig viele jüngere, in die Messehallen. Insbesondere die Veranstaltungen in der Deutschlandhalle – die Kulturpreisverleihung und die Großkundgebung mit Sachsens Ministerpräsidenten Milbradt – waren sehr gut besucht.

Der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Wilhelm v. Gottberg, wertete es als ein hoffnungsvolles Zeichen, daß bereits zum zweiten Mal ein Russe mit dem Ostpreußischen Kulturpreis ausgezeichnet werde. Dies stehe für das Vertrauen und das Verständnis, das sich seit Öffnung der Grenzen zwischen alten und neuen Bewohnern Ostpreußens entwickelt habe. „Zu diesem Brückenschlag“, so v. Gottberg, „haben von deutscher Seite vor allem die Vertriebenen mit ihren Einrichtungen beigetragen.“

Nach Anatoliy Bachtin im Jahr 2000 erhielt der russische Dichter und Übersetzer aus Königsberg, Sem Simkin, den Preis für Literatur. Hildegard Rauschenbach hielt eine sehr persönlich gehaltene Laudatio, die mehrfach durch Beifall unterbrochen wurde. Den Ostpreußischen Kulturpreis für Wissenschaft hatte zuvor Dr. Reinhard Goltz für das „Preußische Wörterbuch“ entgegengenommen, das in einem Zeitraum von 50 Jahren von einer stattlichen Reihe von Wissenschaftlern erstellt wurde. Silke Osman würdigte die Verdienste der Wissenschaftler und blickte zurück auf die Geschichte der Wörterbücher im niederpreußischen Sprachraum. (Wir werden über die Verleihung und die Preisträger in den nächsten Folgen ausführlich berichten.)

In seiner Ansprache zur Eröffnung des Deutschlandtreffens stellte Wilhelm v. Gottberg die Schwierigkeiten dar, mit denen die Heimatvertriebenen und ihre Einrichtungen noch immer konfrontiert werden. Dennoch gebe es „Zeichen einer neuen Offenheit gegenüber dem Vertreibungsschicksal. Die historische Wahrheit über diesen Teil der deutschen Geschichte kommt ins Blickfeld“, hob der Sprecher der LO hervor. „Dem entgegen steht jedoch die Lage der offiziellen Förderung für die deutschen Heimatvertriebenen und ihrer Einrichtungen durch die amtierende Bundesregierung.“ Von 1997 bis zum Jahr 2005 habe man Kürzungen von über 50 Prozent hinnehmen müssen. „Es gibt keinen anderen Haushaltsbereich, wo so umfassende Einschnitte vorgenommen worden sind. Dahinter verbirgt sich nicht nur der allgemeine Sparzwang, sondern politische Ideologie.“

Der Sprecher erinnerte an die Bundestagsdebatte vom 27. Mai 2004 über einen Antrag der CDU/CSU-Fraktion zum Thema „Das gemeinsame historische Erbe für die Zukunft bewahren“. Der gleichzeitig von Kulturstaatsministerin Christina Weiss vorgelegte Bericht gemäß § 96 Bundesvertriebenengesetz für die Jahre 2001 und 2002 bestehe durchgängig aus Lob für die Kulturpolitik der Bundesregierung, kritisierte v. Gottberg. „Im Bericht ist dann festzustellen, daß das Wort und der Begriff ostdeutsch fast durchweg durch das Wort osteuropäisch ersetzt wurde. Wollen die in der Kulturarbeit Tätigen noch mit einer Förderung rechnen, sind sie gut beraten, die neue Sprachregelung zu akzeptieren. Die Verdrängung des Begriffs ostdeutsch durch osteuropäisch soll Tore jenseits der Grenzen öffnen. Die sind aber lange offen. In Wirklichkeit dient diese Maßnahme einer geistigen Vertreibung aus der Kultur und Geschichte Ostdeutschlands.“

„Wesentliche Wurzeln der deutschen Identität liegen in der ostdeutschen Kultur und Geistesgeschichte“, betonte v. Gottberg. „Weder Vertreibung noch gewalttätiges Auslöschen der Spuren jener Prägung, und auch nicht eine Politik, die sich wurzellos und bußfertig ihres Erbes entledigt, können diese emotionalen Bindungen langfristig auslöschen.“ Er schloß mit einem Zitat des 1967 in Nürnberg geborenen Philosophen Seubert: „Die Erinnerung der Kultur des deutschen Ostens als unverlierbarer Teil nationaler Identität von Deutschland in Europa ist heute im Jahr des Gedenkens an den 60. Jahrestag des Kriegsendes und in einer sich globalisierenden Welt besonders akut. Das Vermächtnis der großen Kunst und des Denkens und Dichtens im deutschen Osten verweist auf Quellen, auf die sich jener Patriotismus als aus der Herkunft stammende Zukunftsorientierung berufen kann. Das Erbe ist Verpflichtung, zugleich aber Orientierung.“

„Diese Fixpunkte der Orientierung wollen wir uns nicht durch eine von Ideologen geprägte Kulturpolitik nehmen lassen“, forderte v. Gottberg an Ende seiner Ansprache, die immer wieder von lebhaftem Beifall unterbrochen worden war. - os / H.J.M


Das Referat von BdV-Präsidentin Erika Steinbach, die Laudationes und Dankreden der Preisträger sowie die Reden auf der Großkundgebung von Georg Milbradt und Wilhelm v. Gottberg werden wir in den nächsten Folgen der PAZ im Wortlaut dokumentieren.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung  Ausgabe 21/05 vom 28.05.2005


Laudatio: Preußische Gesinnung
Aus Anlaß der Verleihung des Preußenschildes an Wilhelm v. Gottberg

Wilhelm v. Gottberg wurde am 30. März 1940 als Sohn des Rittergutsbesitzers Heinrich v. Gottberg und seiner Frau Gertrud geborene Freiin v. d. Goltz in Groß Klitten, Kreis Bartenstein, Ostpreußen geboren. Das Rittergut Gr. Klitten gehörte seit 1817 der Familie v. Gottberg, die von 1843 bis 1930 mit einer kurzen Unterbrechung drei Landräte des Kreises Bartenstein stellte. Das Ende des Zweiten Weltkrieges bedeutete für die Familie den Verlust der Heimat, des Besitzes, der Existenz. Das Kind und der Heranwachsende Wilhelm v. Gottberg fühlte sich in Westdeutschland entwurzelt, heimatlos. Doch die Eltern schenkten ihm durch ihre Erziehung ein unersetzliches Kapital für seinen weiteren Lebensweg. Sie vermittelten ihm preußische Tugenden und Werte, die ihm geholfen haben, sich im Beruf und im Ehrenamt zu bewähren. Neben seiner Tätigkeit als Dozent an der Fachschule des Bundesgrenzschutzes ist Wilhelm v. Gottberg seit 1991 Bürgermeister von Schnega und Mitglied im Kreistag von Lüchow-Dannenberg.

Bereits 1974 betrat er sein zweites Hauptwirkungsfeld: die Vertriebenenarbeit. Sein patriotisches Pflichtgefühl veranlaßte ihn, in einer Zeit der veränderten politischen Lage für die deutschen Heimatvertriebenen, in der durch die Einleitung einer neuen Ostpolitik durch die damalige Bundesregierung unter Brandt und Scheel der politische Konsens mit den deutschen Heimatvertriebenen aufgelöst worden war, heimatpolitisch Flagge zu zeigen.

Die Verwaltung der Teilung Deutschlands mit den unverbindlichen Deklamationen, die Strategie einer Humanisierung der Teilung, die Reden vom Ende der Nationalstaaten oder von der Normalisierung der Teilung Deutschlands, das Ausblenden der Oder-Neiße-Frage und der Anliegen der deutschen Heimatvertriebenen waren wesentliche Antriebskräfte dafür, daß sich Wilhelm v. Gottberg aus verantwortungsethischen Gründen verpflichtet fühlte, sich für seine Schicksalsgefährten, die deutschen Heimatvertriebenen, auch innerhalb des Vertriebenenverbandes nachhaltig zu engagieren. Binnen weniger Jahre erreichte er herausragende Führungspositionen in den Gremien der deutschen Heimatvertriebenen.

Zunächst von 1987 bis 1991 stellvertretender Landesvorsitzender des BdV-Landesverbandes Niedersachsen, ist er seit 1992 Vizepräsident des Dachverbandes BdV. In der Landsmannschaft Ostpreußen ist er seit 1987 Mitglied der Ostpreußischen Landesvertretung, des obersten Beschlußorgans der Landsmannschaft.

Des weiteren war Wilhelm v. Gottberg von 1987 bis 1993 Landesgruppenvorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen in der LO. 1989 wurde er Mitglied des Bundesvorstandes, in einer Zeit, in der durch den Fall der Mauer in Deutschland plötzlich die deutsche Frage ganz oben auf der Tagesordnung der Weltpolitik stand und 1990 verstärkt die Diskussion um den Verzicht auf die deutschen Ostgebiete in Vertriebenenkreisen ausbrach. In der tiefen Krise der Landsmannschaft Ostpreußen, die durch das Abstimmungsverhalten des damaligen Sprechers, Dr. Hennig, im Deutschen Bundestag über die Grenzfrage im Hinblick auf die deutschen Ostgebiete ausgelöst worden war, zählte Wilhelm v. Gottberg zu den führenden Verfechtern eines gradlinigen und selbstbewußten politischen Vertriebenenkurses innerhalb der LO. In dieser Phase der verbandsinternen Zerreißprobe war es maßgeblich mit sein Verdienst, daß die LO nicht ihre politische Glaubwürdigkeit verloren, ihre Politikfähigkeit behalten und sich nicht zu einem Traditions- und Erinnerungsverein entwickelt hat.

Wilhelm v. Gottberg zeigte Führungsverantwortung und wurde 1990 Stellvertretender Sprecher der LO; dieses Amt bekleidete er bis 1992. Seit 1992 ist er Sprecher der LO. Kontinuität und Perspektive zeichnen sein politisches Wirken im Vertriebenenbereich aus. Sein unermüdlicher Einsatz für Recht und Gerechtigkeit war und ist sein politischer Kompaß. Sein Eifer für das Recht drückt sich in vielen seiner glanzvollen Reden aus. Seine politischen Reden auf den Deutschlandtreffen der Ostpreußen 1994, 1997, 2000 und 2002 sind ebenso wichtige Grundpfeiler in der Standortbestimmung der LO, wie seine Aussagen in der Preußischen Allgemeinen Zeitung und auf den Sitzungen der Ostpreußischen Landesvertretung.

Seitdem Wilhelm v. Gottberg als Sprecher der LO fungiert, hat er wesentlich dazu beigetragen, daß die Landsmannschaft in der Öffentlichkeit und bei den ostpreußischen Landsleuten wieder moralische Autorität, Ansehen und Vertrauen gewonnen hat. Er hat aber nicht nur durch seine Reden Zeichen gesetzt, sondern auch durch seinen umfangreichen Einsatz an der Basis. Seit 1991 hält er jährlich circa 30 Vorträge vor Heimatvertriebenenorganisationen des BdV und der LO. Dank seiner Sparsamkeit gelang es ihm, der LO erhebliche Rücklagen zu sichern. Den Verein Ostheim e.V., dessen Vorstandsvorsitzender Wilhelm v. Gottberg seit 1995 ist, konnte er durch eine völlig neu gestaltete Organisationspolitik wieder in die Gewinnzone bringen. Der Erweiterungsbau des Ostheims trägt deutlich seine Handschrift. Die Beziehungen zum Patenland Bayern wurden durch viele vertrauensbildende Maßnahmen gefestigt. Dies sind nur einige Beispiele aus seiner Erfolgsbilanz.

Daneben bekleidet Wilhelm v. Gottberg eine Reihe von Funktionen in weiteren ostpreußischen und ostdeutschen Einrichtungen. So ist er seit 1994 Vorsitzender des Stiftungsrates der Ostpreußischen Kulturstiftung und seit 1999 stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Ostpreußen. Dem Kuratorium der Ostdeutschen Galerie in Regensburg gehört er seit dem Jahre 2003 als Mitglied an. Von 1994 bis 2004 wirkte Wilhelm v. Gottberg zudem als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung der Vertriebenen. Aufgrund einer Vakanz ist er auch zeitweise Vorsitzender dieses Gremiums gewesen.

Die Landsmannschaft Ostpreußen verleiht ihrem langjährigen Sprecher, Herrn Wilhelm v. Gottberg, für seine in überzeugender preußischer Gesinnung und Haltung erbrachten Leistungen für Ostpreußen und die Ostpreußen sowie für seinen unermüdlichen Einsatz für die Rechte der Vertriebenen in dankbarer Anerkennung den Preußenschild als ihre höchste höchste Auszeichnung.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung  Ausgabe 21/05 vom 28.05.2005


Da ist der Bär los
Das Treffen in Berlin war von Heiterkeit geprägt

Ein betörender Duft zieht durch die Luft, süßlich und doch frisch, an Honig erinnernd. Leuchtend gelbe Rapsfelder säumen den Weg. Fast bis an den Horizont reichen sie, nur unterbrochen von kleinen Wäldchen oder Knicks. Im frühsommerlichen Sonnenlicht strahlt das Gelb noch intensiver als sonst. Die Augen schmerzen, man will sie schließen, doch muß man sich auf den Straßenverkehr konzentrieren, schließlich will man heil in Berlin ankommen. Die Rapsfelder wechseln sich mit den für diesen Landstrich so typischen Kiefernwäldern ab. Sandige Wege sind entlang der Straße zu erkennen, Wege, die auch Theodor Fontane einst gegangen sein mag auf seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Ortsnamen wie Neuruppin, Fehrbellin oder Rheinsberg, die auf Wegweisern im Vorüberfahren zu entdecken sind, stimmen ein auf Preußen.

Endlich Berlin. In der Stadt steppt wie immer der Bär. Es ist viel los. Baustellen auf der Achse Heerstraße – Straße des 17. Juni – Unter den Linden, natürlich auch Autokolonnen, Ströme von Touristen. Das alles scheint den großen Friedrich nicht zu erschüttern; er sitzt erhobenen Hauptes auf seinem Roß und blickt – preußisch korrekt – in Richtung Humboldt-Universität, derweil auf der anderen Seite viel nackte Haut auf einem überdimensional großen Plakat für ein schwedisches Modeunternehmen wirbt.

Preußen pur gilt es an diesem vorletzten Wochenende im Mai in den Messehallen am Funkturm und in der Deutschlandhalle zu erleben. Schon früh sind die Hallen 2 und 4 belebt. Aus allen Himmelsrichtungen sind sie gekommen, um alte Freunde zu treffen, Erinnerungen auszutauschen. Große Schilder über den langgestreckten Tischen weisen auf die Herkunftsorte hin; nicht bei allen sind die Plätze belegt. Die Zeit hat ihre Lücken gerissen. Und doch ist ein Summen und Brummen in der Luft, das entsteht, wenn viele Menschen in einem Raum gleichzeitig reden.

Nicht sehr viel ruhiger geht’s in Halle 4 zu, dort wo die Ausstellungen und Verkaufsstände zu finden sind. Preußen pur auch hier. Am Stand der Preußischen Allgemeinen Zeitung (PAZ) sind Redakteure bemüht, auf alle Fragen der Leser Antworten zu finden. Selbst die „große alte Dame“ der Redaktion, Ruth Geede, hat es sich nicht nehmen lassen, nach Berlin zu kommen. Sie beantwortet die unterschiedlichsten Fragen der Ostpreußischen Familie und weiß Rat in (fast) allen Lebenslagen.

Am Stand des Preußischen Mediendienstes (PMD) ist besonders reges Treiben. Viele Meter Bücher sind im Blick zu haben. Wo liegt der gewünschte Titel? Ist genügend Wechselgeld da? Der genaue Beobachter fragt sich im stillen, wer wohl mehr ins Schwitzen (pardon, meine Damen) kommt – die Mitarbeiterinnen beim PMD oder die beim Vertrieb der PAZ. „Bekommen Sie eigentlich Kilometergeld, soviel wie Sie hin- und herlaufen müssen?“ Auch dort Fragen über Fragen, aber auch Anregungen. Mit einem Lächeln wird so manches Problem schnell aus der Welt geschafft.

Da haben es die Mitarbeiterinnen am Info-Stand am Eingang Süd schon etwas schwieriger. Immer wieder müssen sie Suchmeldungen durchsagen, Verbindungen herstellen zwischen Landsleuten, die sich verpaßt haben. Aber es werden auch verlorene Kameras oder Schirme abgegeben. Die müssen erst einmal sorgsam verwahrt werden, bis der Eigentümer sich meldet. Eine vermißte Ehefrau und sogar ein Portemonnaie mit persönlichen Papieren finden sich schließlich wieder ein.

Auch im Orga-Büro, ganz am Ende der Halle 4 gelegen, und eigentlich ein Ort der Konzentration und Ruhe, ist hin und wieder der Bär los. Warum auch nicht, schließlich ist man ja in der Stadt, die Meister Petz im Wappen trägt. Auch hier immer wieder Fragen, die einen aus dem Konzept bringen können: Wo ist das Klo? Gibt’s hier einen Geldautomaten? Wann fährt die nächste S-Bahn? Nicht immer kann da geholfen werden. Doch die Damen aus der LO-Geschäftsstelle sind auch zu späterer Stunde noch guten Mutes.

Überhaupt war dieses Deutschlandtreffen der Ostpreußen ein Treffen, das von einer Heiterkeit geprägt war, wie man sie sonst selten auf derartigen Veranstaltungen angetroffen hat. Anna S. aus Insterburg: „Ich habe schon so viele Treffen mitgemacht. Ich war in Köln, in Düsseldorf und auch in Leipzig dabei, aber in Berlin, das war besonders schön. Vielen Dank!“ - Silke Osman

Gut besucht: Die Stände der Preußischen Allgemeinen Zeitung (hier Ruth Geede) und des Preußischen Mediendienstes
 

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung  Ausgabe 21/05 vom 28.05.2005


Gelungene Mischung
Das Deutschlandtreffen hatte viele Facetten

Kichernd rennt eine Horde etwa 13jähriger Mädchen in Sportkleidung mit Turnbeutel in der Hand durch das gläserne Eingangstor. Schnell wollen sie noch mal durch die Hallen gehen und schauen, ob es am letzten Tag des Turnfestes in Berlin noch irgendetwas gibt, was sie noch nicht gesehen haben. Doch die Aussteller in Halle 2.2 haben wenig Zeit für die Mädels, da sie schon ihre Kisten zusammenpacken und zum Lkw nach draußen tragen. Eine Ebene tiefer, in den Hallen 2.1 und 4.1 herrscht ebenfalls reges Treiben, doch hier wird nicht ab-, sondern aufgebaut, denn am nächsten Tag beginnt hier das Deutschlandtreffen der Ostpreußen.

Tische werden aufgestellt, mit Stoffen dekoriert, Trennwände zurechtgerückt, Plakate aufgeklebt und die Ware ausgelegt.

Keine 20 Stunden später gehen wieder Marjellchens durch das gläserne Eingangstor, doch diese sind zugegeben ein wenig reifer und weniger sportlich gekleidet als ihre Vorgängerinnen vom Freitag. Das tut ihrer Spannung jedoch keinen Abbruch, denn auch sie legen teilweise für ihr Alter einen überraschend zügigen Schritt an den Tag.

In Halle 2.1, dem Treffpunkt der Heimatkreise, sind schon gegen elf Uhr fast alle Plätze belegt. Ein Summen und Brummen erfüllt den Raum. Und auch in Halle 4.1 wundern sich die Aussteller über den unerwartet großen Ansturm. „Haben Sie das selber gemacht?“, „Wie teuer ist das?“, „Haben Sie einen Ostpreußenautoaufkleber im Sortiment?“, „Können Sie mir helfen, meinen Mann zu finden?“, „Kann ich das kopieren?“, „Gibt es das auch auf DVD?“, „Haben Sie auch was für Diabetiker?“; dies sind nur einige wenige Fragen, die auf die Mitarbeiter an den 49 verschiedenen Ständen einprasseln.

Kurz vor 14 Uhr stürmt jedoch eine beträchtliche Zahl der Anwesenden aus den Hallen hinaus, um quer über den weitläufigen Vorplatz der Hallen, die Treppen hinauf, in die Deutschlandhalle zu gelangen. Die Kulturpreisverleihung steht auf dem Programm, und zu Beginn der Veranstaltung haben sich mehrere tausend Ostpreußen und mit Ostpreußen Verbundene in der etwas zu dunklen Halle versammelt, um die beiden Preisträger Reinhard Goltz und Sem Simkin zu sehen. Der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Wilhelm v. Gottberg, eröffnet die Veranstaltung. Die beiden Lobreden werden von der Kulturredakteurin der Preußischen Allgemeinen Zeitung, Silke Osman, und der bei den Ostpreußen beliebten Autorin Hildegard Rauschenbach gehalten.

Völlig unerwartet tritt danach der stellvertretende Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen Bernd Hinz auf die Bühne und verleiht Wilhelm v. Gottberg als besondere Würdigung für seine für die Ostpreußen erbrachten Leistungen den Preußenschild.

Die anschließende Rede der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, bewegt vor allem jene, die die Vertreibung selbst erlebt haben.

Zu Beginn des kulturellen Nachmittags ist die Deutschlandhalle immer noch sehr gut besucht. Tausende erwarten den vom letzten Deutschlandtreffen in Leipzig so gut in Erinnerung behaltenen Sänger BernStein. Damals hatte er mit wenigen Liedern das Publikum zum Mitmachen bewegt und eine einmalige Stimmung in der hellen Glashalle der Leipziger Messe erzeugt. Dieses Mal ist er in erster Linie Moderator und singt nur zu Beginn zwei seiner Lieder, die jedoch in der hierfür etwas zu weitläufigen Deutschlandhalle nicht dieselbe Wirkung entfalten wie in Leipzig. Doch BernStein meistert stattdessen seinen Moderatorenjob mit Bravour. Als erstes kündigt er den Ostpreußenchor aus Hamburg an, danach singt der wirklich beeindruckende Chor der Deutschen aus Heydekrug. Gerade dafür, daß Deutsch nicht ihre Alltagssprache ist, klingen ihre vorgetragenen deutschen Musikstücke unerwartet klar. Auch der besonders lebhafte Dirigent hat seine Sänger offenbar voll im Griff.

Die danach auftretende Mundartgruppe aus Bremen zeigt zu Beginn ein wenig Scheu, auf die große Bühne der Deutschlandhalle zu treten. Diese ist jedoch schnell überwunden, und die rüstigen Rentner sind nicht mehr von der Bühne zu bekommen, so wohl fühlen sie sich dort.

Auch der abermals auftretende Ostpreußenchor erfordert viel Ausdauer von den Zuschauern, die vor dem Auftritt der aufgrund der Überlänge der beiden Darbietungen verspätet auftretenden Folkloregruppe Wandersleben noch einmal schnell eine Essenspause an einem der zahlreichen Imbißstände außerhalb der Halle einlegen.

Als dann die Gruppe Wandersleben endlich die Bühne betritt, ist die Deutschlandhalle wieder von einem interessierten Publikum bevölkert. Wenn auch die gesanglichen Darbietungen der Gruppe nicht ganz so überragend ist, so machen sie dies durch bunte Kostüme, wilde Tänze, liebevoll ausgedachte Beiträge leicht wieder wett.

Erst kurz vor 20 Uhr verläßt dann der letzte Ostpreuße für diesen Sonnabend das Gelände der Messehallen in Berlin. Doch schon vor neun Uhr stehen die ersten am Sonntag wieder vor den Toren, um in der Halle der Heimatkreise zu plachandern, die Ausstellungen zu betrachten, einzukaufen oder der Geistlichen Stunde mit Pastor Dr. Christian Erdmann-Schott zu lauschen.

Auch die in Ostpreußen aktiven Pastoren Wolfram und Plorin sind in Halle 4.1. am Stand der evangelischen Ostpreußen vor Ort. Voller Leidenschaft berichten sie über ihre Arbeit in der Heimat, den Aufbau von Gemeinden, den neu erwachenden Glauben und der Armut der Menschen dort. Gleich daneben ist der Stand des Kuratoriums Arnau, und auch hier geht es um Kirche, wenn auch hier eher auf architektonischer Basis.

Gleich auf der Ecke gegenüber verkauft der Sänger BernStein seine CDs und gibt hin und wieder den Passanten eine Kostprobe seines Könnens, indem er mal schnell eines seiner Lieder anstimmt. So manches Gespräch am daneben befindlichen, von der Witwe des kürzlich verstorbenen ostpreußischen Autoren Horst Michalowski betriebenen Stand wird dann jedesmal von der tiefen, kräftigen Stimme BernSteins übertönt.

Neben zahlreichen Reiseveranstaltern und Bernsteinverkäufern kann der Besucher des Ostpreußentreffens sich auch über Kultur, Handarbeitstechniken und Landwirtschaft in der Heimat sowie das Trakehner-Pferd oder die Skudden, eine besondere ostpreußische Schafzüchtung, erkundigen.

Auch während der Großkundgebung in der Deutschlandhalle – eingeleitet durch das Glockengeläut des Königsberger Doms und den Einmarsch der gesamtdeutschen Fahnenstaffel – bleiben noch Tausende Ostpreußen in den Hallen 2.1 und 4.1. Ein Grund hierfür dürfte sein, daß die Totenehrung, die Grußworte, die Ansprachen des Ministerpräsidenten des Freistaates Sachsen, Georg Milbradt, (siehe S. 19/20) und von Wilhelm v. Gottberg in die Hallen per Lautsprecher übertragen werden. Zugegeben, anfangs dröhnen die Stimmen der Redner ein wenig zu laut durch die Hallen, doch nach anfänglichen Problemen mit der Lautstärke kann nebenbei weiter plachandert, Königsberger Marzipan ge-

nascht oder alte Postkarten bestaunt werden. Der Husum- und der Archiv Verlag bekunden am Ende des Tages ihre Freude über diese Einrichtung. Überhaupt sind einige der Aussteller überrascht, daß doch noch so viele Ostpreußen nach Berlin gekommen sind. Eine so starke Präsenz hatte keiner mehr erwartet; eine Präsenz, die die Kassen der meisten gewerblichen Aussteller erfreulich klingeln ließ.

Auch der Stand des Bundes Junger Ostpreußen erfreute sich eines regen Interesses. Um die 20 junge Leute haben hier während der Tage bei Aufbau, Verkauf und Abbau geholfen. Aber im Grunde sind alle der in den Hallen vertretenen Aussteller sehr engagiert bei der Sache: Ob am Stand des Königsberger Express, des BdV-NRW, der Wappen auf Glas von Sigrid Bräuning, der Dittchenbühne, der Malerin Ursel Dörr, des Vereins zur Bergung Gefallener oder dem Ännchen-von-Tharau-Stand des Ehepaares Will – um nur einige der vielen noch nicht genannten zu erwähnen.

Am Ende des ersten Deutschlandtreffens in Berlin tun zwar allen die Füße aufgrund der nicht gerade kurzen Wege weh, doch alle sind auch um zahlreiche Erfahrungen reicher. Erschöpft sitzen einige in den vom Turnfest stehengebliebenen Strandkörben auf dem Vorplatz und lassen das Erlebte Revue passieren. Andere eilen zu ihren Bussen oder werfen einen letzten Blick in die großen Hallen, denn vielleicht ist ja doch noch irgendwo ein alter Bekannter, den man übersehen hat. Manche blicken dabei wehmütig in die Runde, denn einige der alten Bekannten sind nicht mehr gekommen. Dafür sieht man aber auch neue Gesichter aus der Kinder- und Enkelgeneration, doch Erinnerungen austauschen kann man mit ihnen nicht mehr, zuhören jedoch tun sie gern, und zu erzählen haben die Älteren viel.

Mit wachen Augen eilt ein älterer Ostpreuße vom interessanten Dia-Vortrag „Ostpreußen“ aus der Deutschlandhalle zurück in die Halle 4.1. Sein Leinenbeutel mit der aufgedruckten Elchschaufel ist prall gefüllt. Doch sein Blick schweift nach rechts und links; vielleicht gibt es etwas, was er bisher übersehen hat. Aber die Aussteller in Halle 4.1 haben wenig Zeit für ihn, da sie schon ihre Kisten zusammenpacken und zum Lkw nach draußen tragen. Das Deutschlandtreffen der Ostpreußen 2005 ist zu Ende. - Rebecca Bellano.
 

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung  Ausgabe 22/05 vom 04.06.2005


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