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Flucht und Vertreibung im Unterricht
Niedersachsen folgt Nordrhein-Westfalen

HANNOVER/DÜSSELDORF. Seit Beginn des Schuljahres 2008/09 sind Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten in den allgemeinbildenden Schulen Niedersachsens wieder verbindliches Unterrichtsthema. Der Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Rudolf Götz (CDU), MdL, der selbst schlesische Eltern hat, begrüßte die Entscheidung der niedersächsischen Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU): „Heute hat jede dritte Familie in unserem Land einen Vertriebenenbezug. Viele junge Menschen aus der Enkel- und Urenkelgeneration wollen Einzelheiten über die schweren Jahre nach dem Krieg wissen. Nur mit diesem Hintergrund sind das Werden der Bundesrepublik und die Aufbauleistung der Niedersachsen zu verstehen.“ [1]

Die Landesregierung in Hannover folgt damit dem Beispiel Nordrhein-Westfalens, wo Schulministerin Barbara Sommer (CDU) bereits 2007 die Verankerung des Themas in den Kernlehrplänen der Klassen fünf bis zehn veranlasste. Zwar ist der Kritik des für Vertriebenenbelange zuständigen Landtagsabgeordneten Horst Westkämper (CDU) uneingeschränkt zuzustimmen, dass weitere Informationsmaßnahmen in der Öffentlichkeit dringend vonnöten seien. [2] Vor allem sollte eine Beschäftigung mit dem Thema auch in der gymnasialen Oberstufe über die inhaltlichen Vorgaben zum Zentralabitur sichergestellt werden. Nichtsdestoweniger stellt die Entscheidung des Ministeriums einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung dar. An Rhein und Ruhr, wo jeder vierte Einwohner Wurzeln in den Gebieten jenseits von Oder und Neiße hat, [3] gehört das Thema „Flucht und Vertreibung“ praktisch zur Regionalgeschichte und ist damit integraler Bestandteil der Identität des 1946 gegründeten Bundeslandes.

Die im nordrhein-westfälischen Kernlehrplan gewählte Formulierung des Stichwortes „Flucht und Vertreibung im europäischen Kontext“ [4] bedarf jedoch einer kritischen Anmerkung. Zwar hat Schulministerin Sommer zweifelsohne Recht, wenn sie erklärt, dass „nicht nur Deutsche Opfer von Vertreibung geworden“ [5] seien. Allerdings ist zu vermuten, dass der gewählte Ansatz der Europäisierung des Vertreibungskomplexes [6] ebenfalls dazu dienen soll, Vorwürfen der Opposition den Wind aus den Segeln zu nehmen. So unterstrich ein Sprecher des Ministeriums folgerichtig, dass nicht „Deutschtümelei“ Zielsetzung der inhaltlichen Vorgabenergänzung sei. [7] Zweifelsohne war die Vertreibung der Deutschen gleichfalls ein europäisches Phänomen, denn Ostpreußen, Schlesier, Pommern und andere Betroffene haben sich schließlich nicht selber vertrieben, auch wenn dies mit einem unhistorisch-monokausal ausgerichteten Verweis auf die deutsche Kriegsschuld vielfach angedeutet wird, ohne andere Ursachen zu berücksichtigen. Die Europäisierung der Vertreibungsgeschichte birgt jedoch die Gefahr, dass das Ausmaß der weltweit größten demographischen Umwälzung des 20. Jahrhunderts [8] keine angemessene Berücksichtigung findet, sie relativiert wird und lediglich noch als eine Fußnote unter vielen ähnlichen Ereignissen erscheint. Die Vertreibung der Deutschen muss Hauptschwerpunkt bleiben, zumal sie unbestreitbar die für Deutschland entscheidendste „ethnische Säuberung“ darstellt. Die Formulierung des Kernlehrplans bietet jedoch politisch einseitig ausgerichteten Lehrern und Schulbuchverlagen, die letztlich durch Wahl von Quellentexten und Darstellungen den eigentlichen Lehrplan entwerfen, die Möglichkeit, die Vertreibung der Deutschen weiterhin zu marginalisieren. In einer pädagogischen Landschaft, in der in von führenden Vertretern der Zunft veröffentlichten Werken offen und ohne Anmerkung zur Zusammenarbeit mit linksextremen Gruppierungen wie dem kommunistisch infiltrierten „Antifa“-Trüppchen VVN-BdA [9] ermuntert wird, [10] stehen die Chancen auf eine angemessene Behandlung der Vertreibungsthematik nicht zum Besten, zumal auch Lehrer und Schulbuchverfasser von den gegen die Vertriebenen gerichteten Argumentationsmustern und der Rhetorik der 68er-Bewegung nicht unberührt sind, deren Ursprung der am Deutschen Historischen Institut in Warschau tätige Ostpreußen-Experte Andreas Kossert in der kommunistischen Propaganda der Nachkriegszeit ortet. [11]

Verschärft wird das Problem durch die allgemeine Reduzierung der Schulzeit im gymnasialen Bereich von 13 auf 12 Jahre (G8), die das Fach Geschichte in besonderem Maße getroffen hat. Selbst bei engagierten und inhaltlich kompetenten Lehrern dürfte das Thema somit kaum gebührend berücksichtigt werden können. Mit einem solch massiven Kahlschlag in der geschichtlichen Schulbildung, dem sogar die Weimarer Republik (sic!) zum Opfer fällt, welche nur noch in ihrer Endphase im Inhaltsfeld „Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg“ erscheint, [12] kann der Zielsetzung der Erziehung der Schüler zu mündigen Bürgern im historischen Bereich bei aller  didaktischer „Kompetenzorientierung“ inhaltlich kaum noch entsprochen werden.

Neben den unmittelbaren unterrichtlichen Vorgaben ist auch der von der DJO Kamen unter Leitung von Hans Linke ins Leben gerufene und 1959 von der NRW-Landesregierung übernommene ostkundliche Schülerwettbewerb ein Indikator für den Stellenwert der Vertriebenenproblematik im Bildungswesen. Inzwischen umbenannt in „Begegnung mit Osteuropa“, wurde der Schülerwettbewerb nach Untersuchungen von Arno Barth gemäß der gesamtpolitischen Großwetterlage ab 1968/69 zweckentfremdet, aber dennoch durch Mittel nach  § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) finanziert. Auch nach dem Regierungswechsel im Jahr 2005 hat sich dieser Zustand durch die Zusammensetzung des zuständigen Gremiums noch nicht wesentlich verändert. Die Vertreter des BdV können ihre Vorstellungen nur bedingt einbringen.

Die Wiederkehr von „Flucht und Vertreibung“ in die Lehrpläne Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens untermauert jedoch die These, dass sich das Thema langfristig nicht „entsorgen“ lässt. Wenn Schule als gesellschaftlicher Seismograph angesehen wird, [13] ist die Entwicklung einzureihen in die Debatte um das Zentrum gegen Vertreibungen, die Preußische Treuhand und verschiedene Bearbeitungen von Flucht und Vertreibung in Film, Rundfunk und Presse in den letzten Jahren. Vielleicht erreichen wir irgendwann doch einmal wieder den eigentlich selbstverständlichen Konsens aus den 1950er Jahren: „Die Vertriebenen und Flüchtlinge haben diesen Unterricht über ihre ostdeutsche und mitteldeutsche Heimat für die ganze deutsche Jugend immer wieder verlangt. Ihre Forderung ist als berechtigt allgemein anerkannt.“ [14] Dann wäre auch § 96 BVFG, der letztlich nicht nur jeden Lehrer als Beamten oder Angestellten in Landes- oder Bundesdienst berechtig, sondern verpflichtet, das Schicksal der deutschen Flüchtlinge und Vertriebenen im Unterricht an geeigneten Stellen zu behandeln, nicht mehr nur ein bloßer, ausgehöhlter Torso:

§ 96 Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge und Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten, sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern. Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern. Die Bundesregierung berichtet jährlich dem Bundestag über das von ihr Veranlasste. [15]

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Anmerkungen:

[1] Rudolf Götz (CDU), MdL, in einer Pressemitteilung des niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und Integration vom 13.08.2008.

[2] Vgl.: Westdeutsche Zeitung (Netzausgabe) vom 24.09.2007.
[http://www.wz-newsline.de/?redid=176482, 09.11.2008]

[3] Reitz, Ulrich: Das Ende eines gepflegten Tabus. Vertreibung wird Thema, in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 21.09.2007. [veröffentlicht unter: www.presseportal.de/pm/55903/1053348/westdeutsche_allgemeine_zeitung, 09.11.2008]

[4] Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Kernlehrplan für das Gymnasium – Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen. Geschichte, Düsseldorf 2007, S. 31.

[5] NRW-Schulministerin Barbara Sommer, zitiert nach: Westdeutsche Zeitung (Netzausgabe) vom 24.09.2007. [http://www.wz-newsline.de/?redid=176482, 09.11.2008]

[6] Schlögel, Karl: Die Europäisierung des „Vertreibungskomplexes“, in: Gauger, Jörg-Dieter/Kittel, Manfred (Hrsg.): Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten in der Erinnerungskultur, Sankt Augustin 2005, S. 123-138.

[7] Westdeutsche Zeitung (Netzausgabe) vom 24.09.2007.
[http://www.wz-newsline.de/?redid=176482, 09.11.2008]

[8] Vgl.: de Zayas, Alfred-Maurice: 50 Thesen zur Vertreibung, London u. München 2008, S.11.

[9] „Über ihre maßgebliche Mitwirkung in der Organisation 'Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten' (VVN-BdA) versucht die DKP, durch das Thema der Antifaschismusarbeit Kontakt zu breiteren Bevölkerungskreisen zu erhalten und diese auch für die eigenen politischen Ziele zu gewinnen.“ (Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen: Deutsche Kommunistische Partei, veröffentlicht unter: http://www.im.nrw.de/sch/364.htm, 25.10.2008);  „Die VVN-BdA lehnt unverändert den gegen alle Formen des Extremismus gerichteten Konsens des Grundgesetzes ab. Sie benutzte ‚Antifaschismus’ weiterhin als Vorwand, die Einschränkung der Grundrechte ihr missliebiger politischer Gegner zu verlangen.“ (Bundesministerium des Inneren (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2002, Berlin 2003, S. 135f.)

[10] Bastian, Johannes: Faschismus. Ideen für einen handlungsorientierten Unterricht, in: Gudjons, Herbert (Hrsg.): Neue Tips für besseren Unterricht (PB Buch 32), Hamburg 1997,  S. 139-143, hier: S. 142.

[11] Vgl.: Kossert, Andreas: Kalte Heimat. Die Geschichte der deutschen Vertriebenen nach 1945, München 2008, S. 189.

[12] Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Kernlehrplan für das Gymnasium – Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen. Geschichte, Düsseldorf 2007, S. 31.

[13] Vgl.: Gaugert, Jörg-Dieter/Buchstab, Günter: Schule als gesellschaftlicher und politischer Seismograph: Der historische deutsche Osten  im Unterricht, in: Gauger, Jörg-Dieter/Kittel, Manfred (Hrsg.): Die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten in der Erinnerungskultur, Sankt Augustin 2005, S. 85-109.

[14] Der Arbeits- und Sozialminister des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): Der Deutsche Osten im Unterricht (Schriftreihe für die Begegnung der deutschen Stämme, Vortragsheft Nr. 8), 2. Aufl. Düsseldorf 1955, S. 3.

[15] Bundesministerium der Justiz: § 96 Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge und Förderung der wissenschaftlichen Forschung, veröffentlicht unter:
www.gesetze-im-internet.de/bvfg/__96.html, 09.11.2008.

Quelle:
 Ein Beitrag von
Alexander Gesk,
veröffentlicht im Fritz 2/2008,
www.ostpreussen-info.de/bjo/fritz.htm

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