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Masurische Sparsamkeit
Ostpreußen sind bekannt für ihre Gastfreundschaft –
auch wenn diese mitunter seltsame Blüten treibt

von Heinz Kurt Kays

Niemand wird bestreiten wollen, dass großzügige Gastfreundschaft in Masuren – wie im ganzen Ostpreußen – als pure Selbstverständlichkeit galt. Wenn Besuch ins Haus kam, wurde aufgetragen, was Küche und Keller nur hergaben. Und auch an dem, was man mit dem Wort „Nötigung“ bezeichnete, fehlte es in den seltensten Fällen.

Das hörte sich etwa so an: „Nu, nehmen Sie noch ein Scheibchen vom Schweinebraten. Und Kartoffeln sind auch genug da und Rotkohl ebenso. Oder schmeckt vielleicht nicht?“ Worauf jeder Gast nicht umhin konnte, sich den Teller ordentlich vollzuladen, obwohl er eigentlich längst pappsatt war.

Dieser Brauch war natürlich auch in Ulleschen gang und gäbe, einem Dörfchen, das inmitten ausgedehnter Wälder lag, die nur durch Kartoffel- oder Roggenfelder sowie ein paar grüne Wiesen unterbrochen waren. Ach ja, einen See gab es auch, doch der war für masurische Verhältnisse eher klein, so dass ihn die Bewohner meist als „Poggenteich“ bezeichneten.

Man muss jedoch zugeben, dass die eingangs erwähnte Großzügigkeit in diesem Ulleschen nicht in allen Dingen des täglichen Lebens beobachtet werden konnte. Ganz im Gegenteil, beim Ausgeben von barem Geld war man ein Stück zurückhaltender, um es vornehm auszudrücken. Viel eher hielt man seine Dittchen und Groschen am liebsten in der eigenen Tasche fest.

Das galt für den größten Bauern ebenso wie für den Kätner mit nur zwei oder drei Morgen Land. Und bei den Forstarbeitern war das auch der Fall, gezwungenermaßen sozusagen. Und natürlich folgte die Gemeindeverwaltung diesem Beispiel und huldigte einer löblichen Sparsamkeit. Bürgermeister Julius Tomaschke pflegte zu sagen: „Was man hat, hat man. Und was man ausgibt, ist futsch für immer.“

Nun ereignete es sich jedoch, dass der so sorgsam gehüteten Gemeindekasse die Gefahr einer größeren Zahlung drohte. Denn das Schulhaus von Ulleschen nebst angebauter Lehrerwohnung wies einige Schäden auf, die nicht länger tragbar waren. So hatte sich etwa die Wandtafel aus ihrer Verankerung gelöst, bei Regen tropfte es durch das Dach, die Bänke für die Kinderchen mussten glattgehobelt werden und einige Zimmerwände hatten einen neuen Anstrich nötig.

Für all diese Arbeiten war in dem masurischen Dorf ein Mann zuständig, welcher Albert Kalmus hieß und als handwerklicher Tausendsassa galt. Was heißen soll, er konnte mauern, verputzen und malen, auch ein wenig zimmern und tischlern. Im Haus von Bürgermeister Tomaschke hatte er sogar die gute Stube mit einer Blümchentapete verziert, was in Ulleschen als große Neuheit angesehen und entsprechend bewundert wurde.

Dieser Albert Kalmus erhielt also den Auftrag, die Schule wieder „auf Vordermann“ zu bringen. Und das musste schnell gehen, denn die Kartoffelferien neigten sich dem Ende zu und die Marjells und Lorbasse packten bereits ihre Ranzen. Doch auf einen Handwerker war seinerzeit noch Verlass, schon nach drei Tagen waren alle Schäden beseitigt und der Unterricht durch Lehrer Malsch konnte sozusagen unbehindert beginnen.

Natürlich fand zuvor eine Besichtigung durch den Herrn Bürgermeister und seine fünf Gemeinderäte statt, welche die „Dorfregierung“ von Ulleschen bildeten. Und sie fanden alles in bester Ordnung. „Hast gut gemacht“, lobte Julius Tomaschke den fleißigen Handwerker. Dann schwieg er ein Momentchen, bevor er sagte: „Also müssen wir jetzt kommen zur Hauptsache, zur Bezahlung nämlich.“

Albert Kalmus selbstredend, war dem nicht abgeneigt. Doch statt harter Taler gab es eine Überraschung für ihn. Denn das Ortsoberhaupt erklärte nach einigem Räuspern: „Geld ist keins in der Kasse. Aber du sollst doch bekommen, was dir zusteht.“ Und dabei deutete er auf ein Holzfässchen, das vor dem Lehrerpult stand und so etwa zwanzig Liter beinhalten mochte.

„Das“, so sprach Bürgermeister Tomaschke, „das da ist dein Lohn für geleistete Arbeit. Weil – das Fass ist gefüllt bis oben mit gutem Kornschnaps. Es hat dazu beigesteuert jeder Bauer in der Gemeinde vom besten Selbstgebrannten. Nu kannst dir schmecken lassen und vielleicht auch bewirten den oder jenen.“

Der biedere Handwerker erhob keinen Protest. Er wusste, gegen die vereinte Macht der Dorfoberen hatte er keine Chance. Außerdem war es so, dass man dem Albert Kalmus nachsagte, er sei eine „durstige Seele“ und habe eine „ausgepichte Kehle“. Dieses aber hatten der Bürgermeister und seine Räte in Rechnung gestellt. Und nun sahen sie schmunzelnd zu, wie ihr Mitbürger mit dem Fass abzog.

Am Sonntag darauf war die Einweihung der neu hergerichteten Schule. Dazu hatten sich auf dem Turnplatz hinter der Lehrerwohnung nahezu alle Einwohner von Ulleschen versammelt. Krugwirt Borowski hatte ein großes Faß Bier bereitgestellt und für die Kinderchen genug rote und gelbe Limonade. Zum Essen gab es Bratklopse und Grützwurst mit Sauerkohl.

Julius Tomaschke, der Bürgermeister, wollte gerade mit der Festansprache beginnen, als Albert Kalmus erschien und zwar mit einer Schubkarre, auf der – für alle sichtbar – das Schnapsfässchen stand, das er für seine Arbeit erhalten hatte. Ringsherum erhob sich leises Gemurmel, da niemand wusste, was solches zu bedeuten hatte.

Das sollte sich freilich schnell ändern. Denn der Handwerker hub an zu sprechen und zwar so: „Ich möcht’ beitragen zur allgemeinen Festesfreude und den Selbstgebrannten spendieren zum Gebrauch für jeden, der davon trinken will. Zuerst aber sollen drankommen der Herr Bürgermeister und die Gemeinderäte.“ Hatte auch sogleich ein paar Gläschen parat, die er vollschenkte aus dem Fass auf der Schubkarre. Reichte sie alsdann an die Dorfhonoratioren und sagte freundlich: „Prosit und lasst es euch schmecken.“ Worauf die Gefäße gehoben und in einem Zug geleert wurden. Doch deren Inhalt rann nicht durch die Gurgeln, nein, er wurde ausgespieen von allen sechs auf das unschuldige Gras des Turnplatzes.

Und natürlich machte der Herr Bürgermeister als erster seiner Empörung Luft: „Pfui Deibel!“ rief er aus. „Das ist ja reines Wasser!“ Doch der edle Spender widersprach: „Nicht doch, bisschen Alkohol wird schon drin sein. Hat wohl einer versehentlich doch etwas Schnaps gegeben in das Fass.“ Albert Kalmus sah sich um und fuhr dann fort: „Die anderen aber, die haben alle gedacht: Was soll ich verschwenden meinen Selbstgebrannten? Ein Literchen Wasser wird schon nicht auffallen in der Menge!“
 

Quellen:
Preußische Allgemeine Zeitung  / Das Ostpreußenblatt vom 26.11.2005;
veröffentlicht im Johannisburger Heimatbrief 2006

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