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Szene aus „Anonyma – eine Frau in Berlin": In dem Spielfilm verliebt sich das
Vergewaltigungsopfer in einen russischen Offizier – also Friede, Freude, Eierkuchen.

Verschwiegen und verdrängt
Die Massenvergewaltigungen von 1944/45 werden fast nur als ein Thema unter anderen behandelt
von Ingo von Münch

Über die Verbrechen der Deutschen ist unendlich viel geschrieben worden – der Strom dieser Berichte ebbt nicht ab. Es gibt Gedenktage und Gedenkstätten im In- und Ausland, die an die von Deutschen begangenen Verbrechen erinnern. Gibt es einen Gedenktag oder eine Gedenkstätte, die speziell an die Vergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen durch fremde Soldaten erinnern, also nicht nur als Teilmenge unter der Rubrik „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“? Das Vorhaben, ein solches Denkmal für vergewaltigte deutsche Frauen in einem Berliner Bezirk, nämlich in Berlin-Zehlendorf, zu schaffen, scheiterte an parteipolitischen Widerständen.

Nun muss Erinnerung nicht immer mit einem Denkmal gepflegt werden. Es kann genügen, dass menschlichen Leids überhaupt gedacht wird, dass darüber geschrieben wird, über die Opfer und von den Opfern, und dass darüber gesprochen wird, von den Opfern und mit den Opfern. Jedenfalls stellt sich die Frage, warum die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/45, obgleich sie unzweifelhaft zu den schlimmsten Kriegsverbrechen des Zweiten Weltkrieges gehören, bis heute nicht genügend Aufmerksamkeit gefunden haben. Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt zahlreiche Schilderungen über das, was 1944/45 beim Einmarsch der sowjetischen Truppen in Ostpreußen und in anderen Teilen Deutschlands geschehen ist. Als Beispiele dafür können die Dokumentarfilme im ZDF und etliche Bücher und Tagebücher genannt werden, so – wiederum nur beispielhaft – das Buch der Anonyma „Eine Frau in Berlin. Tagebuchaufzeichnungen vom 20. April bis 22. Juni 1945“. (Das Tagebuch der Anonyma wurde bekanntlich später zu einem verzuckerten und kitschigen Spielfilm umfunktioniert: In diesem Film verliebt sich das Vergewaltigungsopfer in einen russischen Offizier – also Friede, Freude, Eierkuchen; um Abschied von ihrem Offizier zu nehmen, macht die Frau eine lange Fahrt auf einem Fahrrad durch Berlin – in der Wirklichkeit wäre die Radfahrerin damals nicht weit gekommen.)

Seriöse wirklichkeitsgetreue Darstellungen finden sich in den Büchern von Günter Böddeker „Die Flüchtlinge. Die Vertreibung der Deutschen im Osten“; Ingeborg Jacobs „Freiwild – Das Schicksal deutscher Frauen 1945“; Walter Kempowski „Das Echolot. Fuga Furiosa. Ein kollektives Tagebuch“; Gabi Köpp „Warum war ich bloß ein Mädchen? Das Trauma einer Flucht 1945“; Anneliese Kreutz „Das große Sterben in Königsberg 1945–1947“; Hans Graf von Lehndorf „Ostpreußisches Tagebuch. Aufzeichnungen eines Arztes aus den Jahren 1945–1947“; Helke Sander und Barbara Johr (Herausgeber) „BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigung, Kinder“. Besonders hervorzuheben sind die als Gemeinschaftswerk des Frauenverbandes im Bund der Vertriebenen und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge erschienene (und leider nur dort erhältliche) Zeitzeugen-Dokumentation „Treibgut des Krieges. Zeugnisse von Flucht und Vertreibung der Deutschen“ sowie neuestens die Erinnerungen von Günter Nitsch (mit einem Vorwort von Arno Surminski) „Eine lange Flucht aus Ostpreußen“.

In allen diesen genannten Büchern wie auch in anderen Erlebnisberichten von Opfern oder Zeitzeugen sind die Leiden der deutschen Frauen und Mädchen zu jener Zeit in eindrucksvoller, menschlich ergreifender Weise geschildert worden: Angst, Hunger, Krankheit, Zwangsarbeit, der Tod naher Angehöriger (insbesondere von Kindern), Flucht, Vertreibung waren die Weggefährten vor allem der ostpreußischen Frauen in jener unheilvollen Zeit, aber eben auch brutale Vergewaltigungen.

Sprechen wir über das Verschweigen und Verdrängen dieser Form des Leides der Frauen und Mädchen, vor allem also der Vergewaltigungen, so ist deshalb festzustellen, dass über dieses Leid schon vielfache Berichte existieren.

Auffallend ist dabei allerdings, dass das Kapitel Vergewaltigungen immer nur als eines von vielen Teilen einer Leidensgeschichte behandelt wurde, also als ein Thema unter anderen, eingebettet in den weiter gestreckten Rahmen von Krieg, Flucht und Vertreibung. Jahrzehntelang gab es insoweit schlicht Darstellungsdefizite. Helke Sander schreibt in dem bereits erwähnten, 1992 erschienenen Buch „BeFreier und Befreite. Krieg, Vergewaltigungen, Kinder“ zum Thema Vergewaltigungen: „Ich werde häufig gefragt, wie ich auf das Thema gekommen bin. Ich dagegen frage mich, warum es nahezu 50 Jahre lang kein Thema war.“ Das mehr als 60 Jahre nach Kriegsende von mir veröffentlichte Buch „Frau, komm!“ wurde als „Pionierleistung“ bezeichnet (so im „Deutschland Archiv“) und als „ein mutiges Buch“ (so in der Zeitung „Die Welt“). Das Lob „ein mutiges Buch“ hat mich als Autor einerseits verständlicherweise stolz gemacht, aber auch ein wenig traurig: Warum gilt es als mutig, wenn jemand über die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen in Deutschland ein Buch schreibt?

Die Fundstellen der Zitate in diesem Zeitungsartikel sind in dem vom Verfasser erschienenen Buch „,Frau, komm!‘ Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/45“ veröffentlicht.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, Ausgabe 14/13, 06.04.2013

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