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Königsberger: Du sollst nicht stehlen! Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus!

Gegen den Griff nach den Gotteshäusern
Königsbergs Gebietsduma hat der Orthodoxen Kirche eine Reihe faktischer Enteignungen ermöglicht – Russen protestieren

Am 28. Oktober hat die Königsberger Gebietsduma einen Gesetzentwurf zur Übereignung deutscher Ordensburgen und Kirchen an die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) angenommen. Das wollen russische Künstler, Journalisten und Museumdirektoren nicht zulassen und protestierten in einen offenen Brief an die Verantwortlichen.

Auf der Liste standen 15 Objekte. Unter ihnen das Gebäude der Kirche zur Heiligen Familie (heute Gebietsphilharmonie), der Luisenkirche (Puppentheater) und der Polytechnischen Lehranstalt Nr. 5 sowie das Kulturhaus auf der Straße Sudostroitelnoj und Schloss Waldau. Ebenso Schlösser und Kirchen in Labiau, Ragnit, Taplaken, Interburg, Kaimen und Neuhausen. Viel Streit ruft der Umstand hervor, dass auch solche Objekte der ROK übereignet wurden, die zuvor auch mit Mitteln aus dem Gebietsbudget, also auf Kosten der Steuerzahler, wieder aufgebaut wurden, wobei die Restaurierung teilweise zig Milliarden Rubel verschlungen hat. Dies gilt etwa für die Königin-Luisen-Kirche und die Gebietsphilharmonie. Umfragen zufolge ist ein Großteil der Bevölkerung gegen eine Übereignung an die ROK. 50 Unterzeichner des offenen Briefs an den russischen Präsidenten, Regierungschef Putin, Patriarch Kyrill, sowie an die Staatsduma, an Gouverneur Zukanow, die Gebietsduma und an die Presse fordern eine Überarbeitung des Gesetzes und eine Korrektur der Übereignungen. Sie begründen dies damit, dass auf ostpreußischem Boden viel Blut vergossen wurde, Kulturdenkmäler zerstört wurden und es lange gedauert habe, bis sie sich als Einheimische und nicht als vorübergehende Bewohner gefühlt hätten. Das, was jetzt vor sich geht, werde das Image der Region stark beschädigen. Für eine Übereignung  ehemaliger deutscher Kirchen an die ROK gebe es keinen Grund. Die Unterzeichner fordern, dass der besonderen geopolitischen Lage der Region Rechnung getragen werde und dass insbesondere Objekte, die vor 1945 erbaut wurden, so behandelt werden, wie das Gesetz es vorsieht.

Erzbischof Pawel Pecci erinnerte daran, dass die Katholiken des Königsberger Gebiets die Behörden seit 20 Jahren bitten, ihr die katholische Kirche „Heilige Familie“ zu überlassen. Ohne Erfolg. Nach dem neuen Gesetzentwurf würde sie ihnen jedoch rechtmäßig zustehen. Im Gebeit leben über 30000 Katholiken. Es sind ethnische Litauer, Polen, Westukrainer und Weißrussen.

Der Gesetzentwurf ging vom Ministerium für Wirtschaftsentwick­lung der Russischen Föderation aus. Darin heißt es, dass die nach 1917 verstaatlichten Kathedralen, Kirchen, Moscheen, Synagogen und Gotteshäuser anderer Konfessionen an ihre früheren Eigentümer zurückgegeben werden sollen. An sich ein sinnvolles Vorhaben, das gerade deutsche Vertriebene hellhörig machen kann. Aber noch bevor das Gesetz verabschiedet war, hat die Russisch-Orthodoxe Kirche Anspruch auf zahlreiche Kirchengebäude, darunter auch auf deutsche Ordensburgen und Kirchen im Königsberger Gebiet, erhoben. Dies wurde nur dadurch möglich, dass im Gesetzentwurf der besonderen Situation in der Königsberger Exklave nicht Rechnung getragen wurde. Was für Russland positiv gedacht war, auch völlig sinnvoll erscheint, erweist sich für Grenzregionen mit Vertreibungsgeschichte wie die Königsberger Exklave und Karelien, wo es protestantische Gemeinden gibt, als negativ.

Das Gesetz durchläuft bereits die erste Lesung. In diesem Zusammenhang hatte bereits vor über einem Jahr die Königsberger Diözese der ROK bei der regionalen Agentur für Grundbesitz ihre Ansprüche angemeldet, wohl wissend, dass dieser Gesetzentwurf die Besonderheit des Königsberger Gebiets nicht berücksichtigt. Die Situation verkomplizierte sich dadurch, dass die Kultur- und Bildungseinrichtungen, die in den ehemaligen Kirchen untergebracht sind, ihre Rechte an den Gebäuden verlören, weil das neue Gesetz trotzdem vorsieht, alle diese Gebäude wieder an religiöse Organisationen zu übertragen. Wo die Ruinen ehemaliger Kirchen bereits an die ROK übergeben wurden, erfolgte dies unter der Bedingung, sie zu erhalten oder wieder aufzubauen. In den Fällen, wo die Gebäude für kulturelle und Bildungszwecke genutzt werden, sollen Verträge den bisherigen Nutzern ein Bleiberecht zusichern. Die Kirche stimmte dem zu, wenn die Immobilie dafür in ihr Eigentum überginge. Dies fand im Entwurf des regionalen Gesetzes Niederschlag. Es heißt darin, „das Objekt mit religiöser Zweckbestimmung wird an die Diözese unter der Bedingung übertragen, dass sie das Gebäude sozialen Einrichtungen zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben für die gesamte Dauer des Bestehens dieser Einrichtung kostenlos überlässt“.

Das Thema Kirchenübereignung ging bald über den Rahmen einer regionalen Angelegenheit hinaus. Weil auch das Gebäude, in dem das Donalitius-Museum untergebracht ist, auf der Liste stand, kam es zu Verstimmungen mit Litauen. Der Auswärtige Ausschuss des litauischen Sejm bemängelte, dass die Leitung des Königsberger Gebiets es nicht für nötig gehalten hatte, die litauische Regierung über die Übereignung des Museumsgebäudes an die ROK zu informieren. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte das Komitee, dass das Donalitius-Museum das Haus des Kirchenvorstehers der katholischen Kirche sei. Das wiedererrichtete Kirchengebäude wurde nicht für religiöse Zwecke, sondern als ein Teil des Museums genutzt. In der Kirchengruft befinden sich die sterblichen Überreste des Dichters Kristijonas Donelaitis, der sich selber Christian Donalitius nannte. Die ROK hatte zunächst auch den Königsberger Dom im Visier, doch plötzlich bat Patriarch Kyrill die russische Regierung, ihn wieder von der Liste der zu übertragenden Objekte zu streichen. Gerüchten zufolge geschah dies nach einer Unterredung zwischen Wladimir Putin und Angela Merkel, bei der sie sich für das Schicksal des Doms interessiert hatte.

Journalisten wurde während der Dumasitzung der Zugang zum Parlamentsgebäude verwehrt. Aufgrund einer Korrektur durch Gouverneur Zukanow wurde das Donalitius-Museum inzwischen von der Liste gestrichen. Über sein Schicksal soll demnächst erneut beraten werden. Für den Gesetzentwurf stimmten letztlich 29 der 35 anwesenden Abgeordneten, also 83 Prozent.

Diese Tatsache wird sehr unterschiedlich bewertet. Einerseits ist offensichtlich, dass die staatlichen Organe, die ständig über fehlende finanzielle Mittel klagen, ihrer Aufgabe, das architektonische Erbe Ostpreußens zu bewahren, nicht gewachsen sind. Die Übergabe von Architekturdenkmälern in private Hände hat sich bislang nicht bewährt. Die Kirche hat aber in den letzten Jahren den Zustand ihr übereigneter Gebäude mehr oder weniger erhalten. Jedoch erscheint die ROK durch ihr mangelndes Interesse an Gesprächen mit Kirchenvertretern und der Öffentlichkeit nun als raffgierige Immobiliensammlerin. Es drängt sich die Frage auf: Wenn der Staat schon kein Geld hat, um Architekturdenkmäler in einem vernünftigen Zustand zu erhalten, warum übereignet er die Kirchen nicht ihren ursprünglichen Eigentümern, wie im Gesetz vorgesehen? Und woher nimmt die ROK das Geld?   -   J.T./MRK

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, Ausgabe 46/10 v. 20.11.2010

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weitere Informationen:
17.11.2010: Rußland – Ostpreußen:
Rückgabe enteigneten Kirchenguts – Orthodoxer Ärger über katholische Kritik
http://www.katholisches.info/?p=10085;
17.11.2010: Russischer Geistlicher will Immobilienstreit im ehemaligen Königsberg verhindern
http://de.rian.ru/culture_and_sport/20101117/257672541.html;

16.11.2010: Schwerer Ökumene-Konflikt um historische Kirche in russicher Enklave
Katholischer Erzbischof Pezzi kritisiert Kirchenübergabe in Kaliningrad an Orthodoxe -
Patriarch Kyrill I. bedankt sich hingegen bei Abgeordneten
http://www.kathweb.at/site/nachrichten/database/35847.html;
13.11.2010: Rußland: Was geschieht in Ostpreußen und Königsberg?
Russland gibt nach 1917 enteignetes Kirchengut zurück, allerdings nur den Orthodoxen
www.ead.de/arbeitskreise/religionsfreiheit/nachrichten/einzelansicht/article/russland-was...
;
05.11.2010:
Radio Vatikan: Russland: Katholiken gegen Übertragung von Kirchen
http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=436559;
25.05.2009: Kaliningrad: Orthodoxe Kirche will den Königsberger Dom www.kaliningrad.aktuell.ru/kaliningrad/stadtnews/kaliningrad_orthodoxe_kirche_will_den_koe...;

weitere Berichte zum Eigentumsstreit

im Ostdeutschen Diskussionsforum unter:
Ostdeutsche Heimatarbeit;
Kuratorium Arnau - aktuell;

auf den Netzseiten des Kuratoriums Arnau e.V.:
www.kuratorium-arnau.net/aktuelles/;
www.kuratorium-arnau.net/Info/Presse/;


ROK will noch mehr Der Preis des Specks Besitzerschleichung Gegen den Griff Zusammenarbeit Kirche Mühlhausen Einigkeit ... DFK Schlesien Vermögensstreit Baugeschichte Runde Geburtstage BJO in Osterode


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