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Das bitterste Erbe
Massengräber stellen die deutsche Versöhnungspolitik auf die Probe
von Konrad Badenheuer

Erst mit monatelanger Verzögerung meldeten große deutsche Zeitungen den Fund eines riesigen Massengrabes mitten in der Stadt Marienburg. Der deutschen Außenpolitik ist diese bitterste Hinterlassenschaft der Vertreibung sichtlich unangenehm.

Seit Anfang November berichten polnische Zeitungen und lokale Sender über ein Massengrab, das nur 300 Meter von der berühmten Marienburg entfernt ist. Inzwischen wurden über 1.800 unbekleidete Tote – meist in verfüllten Granattrichtern – bei der Erkundung eines Baugeländes gefunden.

Während polnische Medien seit Dezember auch überregional über den grausigen Fund berichteten und Staatsanwälte aktiv wurden, nahmen sich deutsche Zeitungen erst in der vergangenen Woche des Themas an. Offenkundig ist der Fund auch der deutschen Politik unangenehm, sie versucht eine Versöhung mit unseren östlichen Nachbarländern ohne Wahrhaftigkeit. Nicht ehrliche Aufarbietung der gesamten Geschichte, sondern Verdrängung scheint dabei die Maxime zu sein.

Zwar gibt es keine Stellungnahme der Bundesregierung, in der explizit einer Politk der Verdrängung das Wort geredet würde, doch das Tun und Lassen spricht eine eindeutige Sprache: Während beispielsweise in Ludwigsburg bis heute eine Sonderstaatsanwaltschaft mit großem, in 50 Jahren angesammeltem Spezialwissen den letzten noch lebenden NS-Verbrechern nachspürt, gibt es in ganz Deutschland keine einzige Justizbehörde, die auf die strafrechtliche Aufarbeitung der unzähligen Verbrechen hinwirken würde, die bei der Vertreibung und beim Einmarsch der Roten Armee in Ost- und Mitteldeutschland verübt wurden.

Nach dem Wissen dieser Zeitung ist aktuell überhaupt nur ein einziges Ermittlungsverfahren wegen eines solchen Verbrechens anhängig (vgl. PAZ 49/2008). In den neunziger Jahren war es wohl noch ein knappes Dutzend, die jedoch in keinem einzigen Fall zu einer Anklageerhebung, einem Haftbefehl oder gar zu einer Verurteilung geführt haben.

Weit unterhalb der – völkerrechtlich strikt gebotenen – strafrechtlichen Aufarbeitung bleibt das rein humanitäre Anliegen, den aufgefundenen Toten wenigstens ihre Namen zurückzugeben und ihnen eine würdige letzte Ruhestätte zu schaffen. Wilhelm v. Gottberg, der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, drängt auf die Einhaltung dieses Gebotes der Menschlichkeit.

Doch nicht einmal das ist in Deutschland konsensfähig. Von entsprechenden Bemühungen Berlins ist nichts zu sehen – im Gegenteil: Im vergangenen November wurden 5.500 Tote des Jahres 1945, darunter viele Frauen und Kinder, auf einem Soldatenfriedhof bei Eger in Sammelgräbern bestattet – die meisten ohne vorherige Identifizierung. Die Anwesenheit des deutschen Botschafters spricht dafür, daß dieses abstoßende Vorgehen mit Billigung Berlins geschah.

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt, 03/09 v. 17.01.2009

Fotos vom Massengrab in Marienburg 2008/2009
Fotos von Marienburg 1945
Dokumente: Keine Bomben auf Marienburg während WK2
 Fotos vom alten Marienburg vor 1939

PDF-Dateien:
 Rätselhafter Fund - Dokumentation
 
Die BJO-Stellungnahme zum Fall Marieburg

Berichte zum Massengrab Marienburg:
25.12.2010: Massengrab Marienburg an Weihnachten vergessen;
03.06.2010: Tausende unschuldige Tote und kein Kläger;
03.06.2010: Gerichtsmediziner gehen nicht von Massaker aus;
28.10.2009: Massaker von Marienburg erfolgreich verschleiert;
22.08.2009: Zusammenfassung der Ereignisse;
22.08.2009: Video-Berichte auf Ostpreußen-TV;
15.08.2009:  Opfer aus Marienburg bei Stettin beigesetzt;
15.08.2009:  Marienburg kein Wallfahrtsort für Neonazis;
14.08.2009:  Letzte Ruhe in Neumark nach mehr als 60 Jahren;
12.08.2009:  Opfer von Marienburg werden beigesetzt;
09.08.2009:  SPD nicht an deutschen Opfern interessiert;
20.07.2009:  Gazeta Wyborcza: Wer hat in Marienburg getötet?;
29.06.2009:  Zivile Massengräber - Volksbund zeigt Vernunft;
27.06.2009:  Frauen und Kinder auf Soldatenfriedhof;
24.06.2009:  Die Toten von Marienburg weiterhin ohne Ruhestätte  (mit Video);
08.06.2009:  Marienburger Massengrab: Tausend tote Frauen, hunderte tote Kinder;
29.05.2009:  Über 1.000 Frauen im Marienburger Massengrab;
06.05.2009:  Ausgräber finden im Marienburger Massengrab 2.500 Skelette;
25.04.2009:  Zeuge stirbt vor polnischem IPN-Staatsanwalt;
12.04.2009:  Was unterscheidet Marienburg von Katyn?;
03.04.2009:  Schockierend: Zahl der Opfer in Marienburg schon 2.400;
18.03.2009:  Marienburg: Auch Kriegsgräberfürsorge bildet jetzt Meinungen;
18.03.2009:  Schindluder mit den Toten von Marienburg;
28.02.2009:  Marienburg: Kein Hotel auf dem Massengrab;
11.02.2009:  Staatsanwaltschaft präsentiert Zeugenliste;
09.02.2009:  Regierung bemüht sich um Aufklärung;
07.02.2009:  Massengrab Marienburg: Heuchler, Lügner und Grabschänder;
31.01.2009:  »Das ist der rechtliche Standard, den wir angemahnt haben«;
31.01.2009:  Bisher nur Mosaiksteinchen;
25.01.2009:  Polnische Medien: Wurde Massengrab in Marienburg vertuscht?;
23.01.2009:  Massengrab Marienburg - Kein Verbrechen der Russen?;
17.01.2009:  Massengräber stellen die deutsche Versöhnungspolitik auf die Probe;
17.01.2009:  Aufklärung ist möglich;
17.01.2009:  Viele zivile Opfer in diesem Raum – Zwei neue Zeugenaussagen;
14.01.2009:  Massengrab Polen: Behörden im Widerspruch;
10.01.2009:  Auswärtiges Amt hält sich für nicht zuständig;
10.01.2009:  Das Geheimnis um das Massaker von Marienburg;
07.01.2009:  Berlin schweigt zu gigantischem Massengrab in Polen  (mit Video);
07.01.2009:  Massengrab: Polen entdecken immer mehr deutsche Opfer;
30.12.2008:  Marienburg ein polnisches Katyn? Schon 1.500 Schädel gefunden;
29.12.2008:  Kriegs-Verbrechen oder Kriegs-Folge?;
10.12.2008:  Massengrab nahe der Marienburg entdeckt;
06.12.2008:  Großes Massengrab mit Zivilisten in Polen entdeckt;
 

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